Einbruchschutz für Fenster und Terrassentüren

Kurz beantwortet

Einbrecher steigen meist über Terrassentüren und gartenseitige Fenster ein und hebeln sie auf. Schutz bieten abschließbare Fenstergriffe, Pilzkopfverriegelungen und Aufschraubsicherungen. Neue einbruchhemmende Fenster gibt es in den Widerstandsklassen RC 2 und RC 3. Wichtig: Fenster bei Abwesenheit schließen und nicht kippen und alle Schlösser zusperren.

Ein Einbruch dauert oft nur Minuten, und fast immer sind Fenster und Terrassentüren der Einstieg. Gute Sicherung muss deshalb nicht teuer sein, aber sie muss an der richtigen Stelle ansetzen. Dieser Ratgeber zeigt die typischen Schwachstellen, was sich nachrüsten lässt, was die Widerstandsklassen RC 2 und RC 3 bedeuten und wie Sie sich im Alltag und im Urlaub verhalten. Zur Haustür finden Sie Hinweise im Ratgeber Haustür kaufen.

Wo steigen Einbrecher typischerweise ein?

Täter versuchen meist, Terrassentüren und gartenseitige Fenster aufzuzwängen. Auch Kellerzugänge, Kellerfenster und Dachfenster sind gefährdet. Sie nutzen dafür Werkzeug, aber auch Leitern oder Gartenmöbel, die im Freien stehen. Gekippte Fenster sind ein häufiger Schwachpunkt, weil sie sich von außen leicht aufdrücken lassen.

Nach Angaben des Bundeskriminalamts passieren viele Einbrüche zwischen 16 und 21 Uhr, wenn die Täter annehmen, dass niemand zuhause ist. Die Zahl steigt in der dunklen Jahreszeit, ab etwa November, wenn die Dämmerung früher beginnt.

Was lässt sich nachrüsten?

MaßnahmeWirkungHinweis
Abschließbarer FenstergriffVerhindert das Öffnen von außen durch Drehen des GriffsEinbruchhemmenden Griff kaufen, nicht nur Kindersicherung
PilzkopfverriegelungMehrere Verriegelungspunkte, erschwert das AufhebelnPrüfung nach DIN 18104 Teil 2
Aufschraubsicherung (Zusatzschloss)Zusätzliche Sicherung an Band- und GriffseitePrüfung nach DIN 18104 Teil 1
Zusatzschloss an TerrassentürHält den Flügel im RahmenAuf beiden Seiten des Flügels sinnvoll
Einbruchhemmende VerglasungScheibe lässt sich schwer durchbrechenTeil des Fenstersystems

Die Nachrüstung ist bei vielen Fenstern möglich, aber nicht bei allen. Ob Ihre Beschläge geeignet sind, entscheidet ein Fachbetrieb vor Ort.

Was bedeuten RC 2 und RC 3?

Die Widerstandsklasse (RC, Resistance Class) beschreibt, wie lange ein Bauteil einem Einbruchsversuch standhält. In Österreich gelten laut oesterreich.gv.at RC 2 und RC 3 nach ÖNORM EN 1627 als Standard für einbruchhemmende Bauelemente.

KlasseSchutzGeeignet für
RC 2Basisschutz gegen Gelegenheitstäter mit einfachem WerkzeugFenster und Terrassentüren in den meisten Wohnungen und Häusern
RC 3Erhöhter Schutz gegen erfahrene TäterExponierte Lagen, ebenerdige Wohnungen, Villen

Entscheidend ist, dass Fenster samt Verglasung, Beschlag und Einbau als System geprüft sind. Eine Klasse gilt nur, wenn alle Teile zusammen geprüft und fachgerecht montiert wurden.

Warum schützt Verzögerung bereits?

Die meisten Täter suchen den schnellen, leisen Weg. Wenn ein Fenster nicht innerhalb weniger Minuten nachgibt, wird der Versuch häufig abgebrochen, weil das Entdeckungsrisiko steigt. Jede Sicherung, die Zeit und Lärm kostet, erhöht die Chance, dass der Einstieg misslingt. Laut einer Auswertung des Bauhaus-Ratgebers zur Kriminalstatistik 2016 blieb bei etwa 40 Prozent der Wohnraumeinbrüche in Österreich der Versuch stecken. Das ist eine ältere Zahl und dient hier nur zur Orientierung.

Mit welchen Kosten muss ich rechnen?

Verlässliche österreichische Preislisten gibt es nicht, weil Aufwand und Beschlag stark variieren. Als Orientierung aus deutschen Quellen: Abschließbare Fenstergriffe gibt es schon ab etwa 15 € je Griff, eine nachträgliche Pilzkopfverriegelung liegt bei etwa 150 bis 250 € je Fenster. Die Angaben zeigen die Größenordnung, ein konkretes Angebot kann nur ein Fachbetrieb nach Besichtigung erstellen. Bei einem Fenstertausch ist die Einbruchhemmung Teil des Gesamtpreises.

Welche Irrtümer sind verbreitet?

  • „Im ersten Stock ist man sicher.“ Balkone, Vordächer und Leitern machen auch Obergeschosse erreichbar.
  • „Ein Gitter reicht.“ Es schützt gegen Aufbrechen von außen, löst aber nicht das Problem schwacher Fensterbeschläge.
  • „Ein Rollladen schützt ausreichend.“ Ein normaler Rollladen ist kein einbruchhemmendes Bauteil und lässt sich oft hochschieben.
  • „Die Verglasung ist die Schwachstelle.“ Meist wird der Rahmen aufgehebelt, nicht die Scheibe zerschlagen.
  • „Das passiert bei uns nicht.“ Einbrüche kommen in allen Wohnlagen vor.

Worauf achte ich bei Terrassentüren?

Terrassentüren sind größer und schwerer als Fenster und bieten mehr Angriffsfläche. Sie sollten abschließbare Griffe, mehrere Verriegelungspunkte und eine einbruchhemmende Verglasung haben. Schiebe- und Hebeschiebetüren brauchen zusätzlich eine Sicherung gegen Aushebeln; diese Systeme beschreibt die Seite Schiebetüren & Hebeschiebetüren. Achten Sie auch auf das Umfeld: Gartenmöbel und Leitern vor der Terrasse erleichtern den Einstieg.

Warum sind gekippte Fenster ein Risiko?

Ein gekipptes Fenster ist nicht verriegelt. Mit einfachen Mitteln lässt es sich von außen aufdrücken oder aushebeln. Das Bundeskriminalamt rät deshalb, bei jeder Abwesenheit, auch bei kurzer, alle Schlösser zuzusperren und Fenster zu schließen, nicht zu kippen. Wenn Sie nachts bei geöffnetem Fenster schlafen möchten, ist ein Fenster mit Spaltlüftung und Sicherung oder ein Lüfter eine bessere Lösung als das dauernde Kippen.

Was gilt für Kellerfenster und ebenerdige Fenster?

Kellerfenster und Fenster im Erdgeschoss liegen in Reichweite von Tätern. Sie brauchen dieselbe Sicherung wie Terrassentüren: abschließbare Griffe, Zusatzschlösser oder Gitter und eine solide Verglasung. Lichtschächte lassen sich mit Abdeckungen sichern. Bei Dachfenstern, die über Vordächer oder Anbauten erreichbar sind, sollten Sie ebenfalls auf Verriegelungen achten.

Wie verhalte ich mich im Urlaub und bei Abwesenheit?

Vor der Abwesenheit

  • Alle Fenster und Türen schließen und alle Schlösser zusperren, Fenster nicht kippen.
  • Leitern, Werkzeug und Gartenmöbel wegräumen oder sichern.
  • Briefkasten leeren lassen, damit die Abwesenheit nicht auffällt.
  • Beleuchtung mit Zeitschaltuhr oder Bewegungsmelder nutzen.
  • Wertsachen nicht sichtbar am Fenster lassen; Abwesenheit nicht öffentlich ankündigen.
  • Mit zuverlässigen Nachbarn Kontakt halten.

Wer berät mich?

Die Kriminalprävention der Polizei berät kostenlos zu Einbruchschutz. Abschließbare Griffe und Aufschraubsicherungen lassen sich oft ohne bauliche Eingriffe montieren und wieder entfernen, was in Mietwohnungen hilft. Für Eingriffe an Fenstern und Fassade gelten die Regeln im Ratgeber Fenstertausch bei Miete und Eigentum.

Wann sind neue einbruchhemmende Fenster sinnvoll?

Wenn Ihre Fenster ohnehin alt, undicht oder schwer nachrüstbar sind, lohnt sich der Tausch gegen Fenster mit RC 2 oder RC 3. Dann sind Verglasung, Beschlag und Einbau aufeinander abgestimmt. Verlangen Sie im Angebot das Prüfzeugnis des gesamten Fensters und fragen Sie nach, ob die Klasse auch mit dem gewählten Griff, dem gewählten Glas und der vorgesehenen Montage gilt. Eine Klasse, die nur für ein Teil gilt, schützt im Ernstfall nicht. Auch die Befestigung im Mauerwerk gehört dazu, denn ein stabiles Fenster in einem schwach verankerten Rahmen lässt sich samt Rahmen aus der Wand hebeln. Die Kriterien für den Tausch beschreibt der Ratgeber Alte Fenster: Wann lohnt der Tausch, die Fenster selbst zeigt die Seite Fenstertausch & Fenster nach Maß.

Checkliste Einbruchschutz

In dieser Reihenfolge angehen

  • Schwachstellen erfassen: Terrassentür, ebenerdige und gartenseitige Fenster, Keller.
  • Abschließbare Fenstergriffe und Zusatzsicherungen nachrüsten.
  • Bei Neukauf RC 2 oder RC 3 verlangen und das Prüfzeugnis ansehen.
  • Auf fachgerechte Montage achten – sie gehört zum Schutz dazu.
  • Gewohnheiten ändern: nicht kippen, immer zusperren, Leitern wegräumen.

Häufige Fragen

Quellen

  1. oesterreich.gv.at: einbruchhemmende Bauelemente, Widerstandsklassen RC 2 und RC 3 (ÖNORM EN 1627), oesterreich.gv.at
  2. vienna.at: Keine Chance für Einbrecher – so sichert man Haus und Wohnung effektiv, vienna.at
  3. Der Standard: Hochsaison der Dämmerungseinbrüche, derstandard.at
  4. Stiftung Warentest: Einbruchschutz – so machen Sie das Heim sicher, test.de

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