Normen & Regeln6 Min. Lesezeit

Was ist die ÖNORM B 5320? Regeln für den Fenstereinbau einfach erklärt

Monteure beim Einbau eines Fensters in einer Wohnung
Auf einen Blick

Die ÖNORM B 5320 ist eine österreichische Norm für den Einbau von Fenstern und Außentüren in Wände. Sie sagt, wie breit die Fuge sein darf, wie das Fenster befestigt, gedämmt und abgedichtet wird. Ein Gesetz ist sie nicht, aber sie gilt als anerkannte Regel. Gute Fensterbauer arbeiten danach.

In diesem Beitrag
  1. Was ist die ÖNORM B 5320?
  2. Warum gibt es eine Norm für den Einbau?
  3. Wofür gilt die Norm?
  4. Was ist ein Standard-Anschluss, und was ist ein objektspezifischer Anschluss?
  5. Wie breit darf die Fuge zwischen Fenster und Wand sein?
  6. Wie wird das Fenster befestigt?
  7. Wie wird die Fuge abgedichtet?
  8. Warum ist die Luftdichtheit beim Fenstereinbau so wichtig?
  9. Muss die Laibung gedämmt werden?
  10. Wer dichtet bei bodentiefen Fenstern gegen Wasser ab?
  11. Wie prüft man, ob der Einbau richtig gemacht wurde?
  12. Ist die Norm Pflicht?
  13. Woran erkenne ich einen Einbau nach der Norm?

Ein gutes Fenster hilft wenig, wenn es schlecht eingebaut ist. Dann pfeift der Wind durch die Fuge, oder im Winter bildet sich Feuchtigkeit an der Wand. Für den richtigen Einbau gibt es in Österreich eine Norm: die ÖNORM B 5320.

Hier lesen Sie in einfachen Worten, was in der ÖNORM B 5320 steht. Sie erfahren auch, wen sie betrifft und woran Sie einen Einbau nach der Norm erkennen.

1Was ist die ÖNORM B 5320?

Der Titel der ÖNORM B 5320 lautet „Einbau von Fenstern und Außentüren in Wänden“. Sie beschreibt, wie man ein Fenster oder eine Außentür in eine Wand einsetzt. Herausgeber ist Austrian Standards, das österreichische Normungsinstitut.

Die Norm wurde im März 2015 neu geschrieben. Es gibt neuere Fassungen von 2017, 2020 und 2024. Welche Fassung gilt, steht im Vertrag oder wird vom Fachbetrieb genannt. Die Norm kostet Geld, aber Austrian Standards veröffentlicht zusätzlich verständliche Antworten auf häufige Fragen (Fachinformation 20).

2Warum gibt es eine Norm für den Einbau?

Austrian Standards schreibt selbst: Der Einbau von Fenstern ist keine einfache Bauaufgabe. Viele Gewerke arbeiten zusammen. Maurer, Verputzer, Dämmer und Fensterbauer müssen sich abstimmen. Ohne klare Regeln bleibt oft eine Lücke.

Genau an dieser Lücke, der Anschlussfuge zwischen Mauer und Fenster, entstehen die meisten Schäden: Zugluft, Nässe und Wärmeverlust. Die Norm legt deshalb fest, was an dieser Fuge geschehen muss.

3Wofür gilt die Norm?

Sie gilt für Fenster, Fenstertüren und Außentüren, die in eine Wand eingebaut werden. Das betrifft Neubauten, Sanierungen und den Fenstertausch. Sie regelt den Einbau, nicht das Fenster selbst. Wie das Fenster gebaut sein muss, steht in anderen Normen, zum Beispiel in der ÖNORM B 5300.

Wenn schon ein Rollladen oder Raffstore am Fenster montiert ist, gehört er zum Fenster und fällt unter die Norm. Wird der Sonnenschutz später angebracht, gilt die ÖNORM B 5320 für ihn nicht.

4Was ist ein Standard-Anschluss, und was ist ein objektspezifischer Anschluss?

Die ÖNORM B 5320 kennt zwei Arten, ein Fenster anzuschließen:

  • Standard-Fensteranschluss: der übliche Fall. Wenn die Regeln der Norm eingehalten werden, braucht man keinen zusätzlichen Prüfnachweis.
  • Objektspezifischer Bauanschluss: eine Sonderlösung für schwierige Gebäude, etwa bei hohen Anforderungen an den Schallschutz oder bei besonderen Wandaufbauten. Hier wird der Anschluss extra geplant. Meist arbeiten dann mehrere Gewerke zusammen, und jemand muss sie koordinieren.

Für die meisten Wohnungen und Häuser reicht der Standard-Anschluss.

5Wie breit darf die Fuge zwischen Fenster und Wand sein?

Die Fuge darf weder zu breit noch zu schmal sein. Ist sie zu schmal, lässt sie sich nicht sauber füllen. Ist sie zu breit, wird der Einbau unsicher. Die Norm nennt deshalb Mindest- und Höchstmaße.

  • Die Fachinformation von Austrian Standards nennt als Mindestbreite 15 Millimeter in älteren und 10 Millimeter in neueren Fassungen. An einzelnen Stellen darf die Fuge enger sein (8 Millimeter).
  • Als größte Breite gelten 39 Millimeter bei Fenstern bis 3 Meter Länge und 47 Millimeter bei längeren Elementen.

Wer eine schmalere Fuge wünscht, kann das mit einer eigenen Planung erreichen. Dann zählt der objektspezifische Anschluss. Schon wenige Millimeter zu viel oder zu wenig machen die spätere Abdichtung schwerer.

6Wie wird das Fenster befestigt?

Das Fenster darf nicht auf dem Putz oder Dämmstoff hängen. Es muss sein Gewicht in die tragende Wand abgeben. Dafür gibt es zwei Dinge:

  • Trag- und Distanzklötze: kleine Klötze, die das Fenster unterstützen und den Abstand halten. Sie müssen formstabil sein und wenig Wärme leiten. Bewährt sind Hartholz und bestimmte Kunststoffe.
  • Befestigungsmittel: Schrauben oder Winkel. Ihre Lage und Zahl richten sich nach der Statik. Eine einfache Berechnung reicht oft aus.

Außerdem muss das Fenster gerade sitzen. Bei Elementen bis 3 Meter sind höchstens 1,5 Millimeter Abweichung pro Meter erlaubt. Insgesamt dürfen es nicht mehr als 3 Millimeter sein. Eine gute Befestigung und ein gerader Sitz gehören zusammen.

7Wie wird die Fuge abgedichtet?

Die Fuge braucht drei Dinge, vereinfacht von innen nach außen:

  1. Innen luftdicht: Zimmerluft darf nicht in die Wand strömen. Sonst entsteht dort Feuchtigkeit. Das ist die Luftdichtheit.
  2. In der Mitte gedämmt: Die Fuge wird mit Dämmstoff gefüllt, damit keine Kälte hindurchkommt. Kleine Hohlräume von wenigen Millimetern sind erlaubt und kein Mangel.
  3. Außen schlagregendicht: Regen, den der Wind gegen die Fassade drückt, darf nicht eindringen.

Diese Abdichtung gelingt nur mit Materialien, die zueinander passen und für den Zweck geprüft sind.

8Warum ist die Luftdichtheit beim Fenstereinbau so wichtig?

Warme Zimmerluft enthält Wasserdampf. Wenn sie durch eine undichte Anschlussfuge in die kalte Wand strömt, kühlt sie ab. Dann wird aus dem Dampf Wasser. Das Wasser sammelt sich im Mauerwerk oder im Dämmstoff und kann Schimmel verursachen. Die Luftdichtheit auf der Innenseite ist deshalb ein Kernpunkt der ÖNORM B 5320.

Die Norm verlangt innen einen ausreichend luftdichten Anschluss. Bei einem Fenstertausch kann der alte Putz diese Aufgabe übernehmen, wenn er eben, fest, trocken und rissfrei ist. Dann muss auch der Anschluss des Putzes ans Fenster dicht sein. Fehler bei der Luftdichtheit sieht man oft erst nach Monaten, zum Beispiel an feuchten Ecken.

9Muss die Laibung gedämmt werden?

Die Laibung ist die Seitenfläche der Wand, die das Fenster einrahmt. Hier kann Wärme verloren gehen, und Feuchtigkeit kann sich niederschlagen. Die Norm unterscheidet zwei Fälle:

  • Wenn die Wand selbst gut dämmt, ist keine zusätzliche Dämmung nötig. Fachleute sprechen von einer Wärmeleitfähigkeit von höchstens 0,20.
  • Sonst muss die Laibung mindestens 3 Zentimeter dick gedämmt werden.

Warum Wärmebrücken Probleme machen, erklärt der Beitrag Was ist eine Wärmebrücke am Fenster?.

10Wer dichtet bei bodentiefen Fenstern gegen Wasser ab?

Bei Türen und Fenstern bis zum Boden kann sich Wasser vor dem Element stauen. Hier gilt nach der Fachinformation: Der Kunde hat das Recht auf einen regendichten und, bei bodentiefen Elementen, auch stauwasserdichten Anschluss. Das gilt auch beim Tausch.

Diese Abdichtung (nach ÖNORM B 3691 und B 3692) gehört nicht zum Fenstereinbau. Sie macht ein anderes Gewerk. Der Bauherr muss sie getrennt beauftragen. Ein Hinweis im Angebot des Fensterbauers ist deshalb sinnvoll.

11Wie prüft man, ob der Einbau richtig gemacht wurde?

Dafür gibt es eine zweite Norm, die ÖNORM B 5321. Sie beschreibt die Prüfverfahren. Ein Nachweis kann im Labor oder vor Ort erfolgen, zum Beispiel für Luft- und Regendichtheit.

Überraschend: Die Austrian-Standards-Fachinformation sagt, dass eine Wärmebildkamera und eine Blower-Door-Messung für diese Beurteilung nicht geeignet sind. Mit der Wärmebildkamera sieht man Wärmeverluste, aber nicht, ob der Anschluss der Norm entspricht. Die Blower-Door-Messung ist dagegen sinnvoll, um große Lecks im Haus zu finden, solange man noch nachbessern kann.

12Ist die Norm Pflicht?

Normen sind in Österreich grundsätzlich freiwillig. Sie werden aber vertraglich verbindlich, wenn man sie vereinbart. Außerdem gelten sie als Stand der Technik. Bei einem Streit zeigt der Blick in die Norm, was ein Fachbetrieb üblicherweise leisten muss.

Für Sie heißt das: Fragen Sie im Angebot nach der ÖNORM B 5320. YPS Fensterbau montiert nach dieser Norm. Zur Bewilligung in Wien lesen Sie den Ratgeber Fenstertausch in Wien: Bewilligung.

13Woran erkenne ich einen Einbau nach der Norm?

  • Im Angebot steht „Montage nach ÖNORM B 5320“.
  • Der Betrieb nennt, wie die Fuge innen, in der Mitte und außen abgedichtet wird.
  • Es ist geklärt, wer bei bodentiefen Elementen die Wasser-Abdichtung macht.
  • Die Fenster sind gerade eingebaut und die Fugen sehen gleichmäßig aus.

?Fragen und Antworten

Wofür steht die ÖNORM B 5320?
Sie steht für den Einbau von Fenstern und Außentüren in Wände. Sie regelt Planung und Ausführung des Anschlusses zwischen Wand und Fenster.
Gilt die ÖNORM B 5320 auch beim Fenstertausch?
Ja. Sie gilt für Neubau, Sanierung und Fenstertausch. Beim Tausch muss die Ausbruchstelle nicht neu ausgefüllt werden, wenn die erlaubten Fugenbreiten eingehalten werden.
Ist die ÖNORM B 5320 ein Gesetz?
Nein. Normen sind grundsätzlich freiwillig. Sie werden aber verbindlich, wenn man sie im Vertrag vereinbart, und gelten als Stand der Technik.
Was ist die Anschlussfuge?
Das ist der schmale Spalt zwischen Fensterrahmen und Mauer. Er wird gedämmt und innen luftdicht, außen regendicht abgeschlossen.
Wer macht die Abdichtung gegen Wasser bei bodentiefen Fenstern?
Ein eigenes Gewerk für Abdichtung. Der Bauherr muss es getrennt beauftragen. Ein Hinweis im Angebot des Fensterbauers ist sinnvoll.
Wo erfahre ich, ob mein Fenster nach der Norm eingebaut wurde?
Fragen Sie den Fachbetrieb nach dem Montageprotokoll. Ein Nachweis ist über Prüfungen nach der ÖNORM B 5321 möglich, im Labor oder vor Ort.

Quellen

  1. Austrian Standards: Fachinformation 20 – FAQs zu ÖNORM B 5320:2024 (Stand 01.11.2024), austrian-standards.at
  2. Austrian Standards: ÖNORM B 5320 – Webshop, shop.austrian-standards.at
  3. Austrian Standards: Fachinformation 20 – ÖNORM B 5320:2020-10 „Einbau von Fenstern und Türen“, austrian-standards.at

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