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Was ist sommerlicher Wärmeschutz?

Eckhaus mit außenliegendem Raffstore an den Fenstern
Auf einen Blick

Sommerlicher Wärmeschutz heißt: Ein Haus soll im Sommer ohne Klimaanlage nicht zu heiß werden. In Österreich verlangt das die OIB-Richtlinie 6, die über die Bauordnungen der Länder gilt. Wohnräume sollen tagsüber nicht über 27 Grad kommen, Schlafräume nachts nicht über 25 Grad. Den Nachweis führt meist ein Planer nach der ÖNORM B 8110-3.

In diesem Beitrag
  1. Was bedeutet sommerlicher Wärmeschutz genau?
  2. Welche Regeln gelten in Österreich?
  3. Welche Temperaturen sind erlaubt?
  4. Wie läuft der Nachweis ab?
  5. Was bedeutet der Wert 0,15 beim Sonnenschutz?
  6. Was beeinflusst die Überhitzung?
  7. Warum ist die Nachtlüftung so wichtig?
  8. Welche Rolle spielen die Fenster?
  9. Gilt das auch für Umbau und Fenstertausch?
  10. Ist eine Klimaanlage damit überflüssig?
  11. Welche Fragen stelle ich dem Planer?
  12. Wer ist dafür zuständig?

Neue Häuser sollen im Sommer nicht zum Backofen werden. Dafür gibt es Regeln. Sie heißen sommerlicher Wärmeschutz. Viele Bauherren hören davon erst, wenn der Planer einen Nachweis verlangt.

Hier erklären wir ohne Fachchinesisch, was dahintersteckt, was Fenster und Sonnenschutz damit zu tun haben und wie der Nachweis abläuft. Alltagstipps für heiße Tage finden Sie im Ratgeber Wie halte ich meine Wohnung im Sommer kühl?.

1Was bedeutet sommerlicher Wärmeschutz genau?

Gemeint ist die Fähigkeit eines Gebäudes, im Sommer angenehm kühl zu bleiben, und zwar ohne Klimagerät. Es geht also nicht um das Gerät, sondern um die Bauweise. Fenstergröße, Sonnenschutz, Speichermasse und Lüftung entscheiden darüber, wie heiß es drinnen wird.

Das Gegenstück ist der Winterschutz: Dort will man Wärme drinnen halten. Im Sommer ist es umgekehrt, die Hitze soll draußen bleiben.

Warum ist das wichtig? Sommer werden heißer, und Hitzewellen häufen sich. Wer heute plant, sollte den sommerlichen Wärmeschutz von Anfang an mitdenken. Nachträgliche Lösungen sind meist teurer und oft nur halb so wirksam wie eine gute Planung.

2Welche Regeln gelten in Österreich?

Das Bauwesen ist Ländersache. Jedes Bundesland hat eine eigene Bauordnung. Fast alle verweisen auf die OIB-Richtlinie 6. Das ist ein Regelwerk des Österreichischen Instituts für Bautechnik. Es legt fest, wie Gebäude Energie sparen und wie sie im Sommer kühl bleiben sollen. Der sommerliche Wärmeschutz ist darin ein eigener Teil.

Für Wohngebäude ist der Nachweis zum Schutz vor Überhitzung Pflicht. Er stützt sich auf die ÖNORM B 8110-3. Die genaue Fassung der Richtlinie, die in Ihrem Bundesland gilt, erfahren Sie bei der Baubehörde. Die Regeln wurden mehrfach überarbeitet. Daher schreiben Fachleute dazu, welche Ausgabe gerade gilt. Als Laie müssen Sie die Details nicht kennen, aber Sie sollten wissen, dass es sie gibt.

3Welche Temperaturen sind erlaubt?

Die Norm arbeitet mit der operativen Temperatur. Das ist die gefühlte Raumtemperatur, die Luft und Wandflächen zusammen ergeben. Eine warme Wand fühlt sich also auch dann unangenehm an, wenn die Luft noch kühl wirkt. Diese operative Temperatur wird in der Rechnung geprüft. Für eine Hitzeperiode gelten diese Grenzen:

RaumartHöchstwert
Wohnräume, tagsüber27 Grad
Schlafräume, 22 bis 6 Uhr25 Grad
NebenräumeAußentemperatur plus 2 Kelvin

Gerechnet wird mit einem typischen heißen Sommertag. Für Wien setzt die Norm eine mittlere Tagestemperatur von 23 Grad an. Die Sonneneinstrahlung wird für einen wolkenlosen Tag Mitte Juli berechnet.

Ein Beispiel zum Verstehen: Ein Schlafzimmer im Dachgeschoss hat tagsüber 28 Grad. Das ist für ein Wohnzimmer knapp zu viel. Nachts darf es dort aber höchstens 25 Grad haben. Der Planer rechnet, ob das mit den geplanten Fenstern, dem Sonnenschutz und der Lüftung klappt. Wenn nicht, ändert er etwas, zum Beispiel die Fenstergröße.

4Wie läuft der Nachweis ab?

Den Nachweis erstellt meist der Planer oder Bauphysiker. Es gibt zwei Wege:

  1. Rechnung nach der Norm: Für kritische Räume wird berechnet, wie warm sie werden. Die inneren Wärmequellen werden einbezogen, zum Beispiel Menschen, Licht und Geräte.
  2. Vereinfachter Weg über den Sonnenschutz: Wenn außenliegende Beschattungen verbaut sind, deren Gesamtenergiedurchlassgrad bei höchstens 0,15 liegt, entfällt die aufwendige Rechnung.

Die Stadt Wien stellt für diese Bestätigung ein eigenes Formular bereit. Den Nachweis legt man der Behörde vor, wenn es verlangt wird. Fragen Sie Ihren Planer, welchen Weg er wählt.

5Was bedeutet der Wert 0,15 beim Sonnenschutz?

Der Wert zeigt, wie viel Sonnenenergie durch Fenster und Sonnenschutz zusammen in den Raum kommt. Er heißt Gesamtenergiedurchlassgrad. Bei 0,15 gelangen noch 15 Prozent der Sonnenenergie ins Haus. Das schaffen gute, außenliegende Systeme wie Raffstore oder Rollladen, wenn sie ausgefahren sind.

Innen liegender Sonnenschutz wie ein Vorhang erreicht diesen Wert nicht. Die Wärme ist dann bereits im Raum. Die Prüfzahl steht im Datenblatt Ihres Produkts. Sie wird immer für das Zusammenspiel von Glas und Behang angegeben. Die Zahl steht nicht auf dem Fenster, sondern im technischen Datenblatt des Herstellers.

6Was beeinflusst die Überhitzung?

  • Fenstergröße und Lage: Große Südfenster und Dachfenster bringen viel Sonne.
  • Sonnenschutz: Außen wirkt er viel besser als innen.
  • Speichermasse: Massive Wände nehmen Wärme auf und geben sie später ab.
  • Nachtlüftung: Wer nachts lüftet, kühlt das Haus aus.
  • Bauform: Dachvorsprünge und Balkone werfen Schatten.
  • Innere Wärme: Menschen, Geräte und Licht heizen mit.

7Warum ist die Nachtlüftung so wichtig?

Tagsüber speichern Wände und Böden Wärme. Nachts ist es draußen kühler. Öffnen Sie dann die Fenster, strömt kühle Luft herein und die Wärme zieht ab. Die Norm geht bei vielen Rechnungen davon aus, dass man nachts lüften kann. Das muss auch praktisch möglich sein. Gitter, Einbruchschutz oder Lärm dürfen das nicht verhindern. Wer wegen Straßenlärm nachts nicht lüften kann, sollte das mit dem Planer besprechen. Auch Ihre eigene Gewohnheit zählt: Wer abends spät die Fenster aufmacht und morgens früh schließt, nutzt die kühle Nacht am besten. Die Rechnung setzt eine gute Nachtlüftung nur voraus, wenn sie sich im Alltag wirklich machen lässt.

8Welche Rolle spielen die Fenster?

Die Glasflächen sind die größte Schwachstelle. Sie lassen die Sonne direkt herein. Eine Sonnenschutzverglasung lässt weniger Energie durch, braucht aber auch Tageslicht. Mehr dazu im Beitrag Wie funktioniert Wärmeschutzglas?. Wichtig ist die Orientierung. Nord- und Südfenster sind leichter zu schützen als West- und Ostfenster, bei denen die Sonne tief steht. Bei Dachfenstern ist der Schutz besonders wichtig, weil die Sonne dort steil und lange einfällt.

9Gilt das auch für Umbau und Fenstertausch?

Die Anforderung zielt vor allem auf Neubauten und größere Umbauten. Ob bei einem einfachen Fenstertausch ein Nachweis für den sommerlichen Wärmeschutz nötig ist, hängt vom Bundesland und vom Umfang ab. Das kann ein Planer klären. Wer ohnehin Fenster tauscht, tut gut daran, gleich an den Sonnenschutz zu denken. Beides zusammen verbessert den sommerlichen Wärmeschutz am meisten, und die Montage lässt sich oft in einem Zug erledigen. Eine Bewilligungspflicht in Wien ist ein anderes Thema und im Ratgeber Fenstertausch in Wien: Bewilligung beschrieben.

10Ist eine Klimaanlage damit überflüssig?

Nicht immer, aber oft. Ein Haus mit gutem sommerlichen Wärmeschutz braucht selten ein Gerät. Wenn das Haus gut geplant ist, bleibt es ohne Gerät erträglich. In heißen Sommern, in Dachgeschossen oder bei Hitzewellen kann trotzdem zusätzliche Kühlung sinnvoll sein. Welche Rolle Strom spielt, zeigt der Beitrag Klimaanlage oder Sonnenschutz: Was spart mehr Strom?.

11Welche Fragen stelle ich dem Planer?

Fünf Fragen für das Gespräch

  • Welche Räume gelten als kritisch, und wie warm werden sie laut Rechnung?
  • Mit welcher Nachtlüftung ist gerechnet worden?
  • Wurde ein außenliegender Sonnenschutz eingeplant, und welchen Wert hat er?
  • Welche Fenstergrößen und Verglasungen sind angesetzt?
  • Was passiert, wenn die Werte knapp verfehlt werden?

Mit diesen Fragen verstehen Sie, worauf der Nachweis beruht. Außerdem merken Sie früh, wenn ein Sonnenschutz eingeplant, aber später nicht bestellt wurde.

12Wer ist dafür zuständig?

Zuständig ist der Bauherr, der das Vorhaben einreicht. Praktisch übernimmt der Planer oder der Energieausweis-Ersteller den Nachweis. Wir als Fensterbauer liefern die technischen Daten unserer Produkte, zum Beispiel für Fenster und Sonnenschutz. Den Nachweis selbst stellen wir nicht aus. Ein wichtiger Punkt: Wenn im Nachweis ein Sonnenschutz angesetzt wurde, muss er später auch wirklich eingebaut werden, sonst stimmt die Rechnung nicht mehr.

?Fragen und Antworten

Was versteht man unter sommerlichem Wärmeschutz?
Die Fähigkeit eines Gebäudes, im Sommer auch ohne Klimaanlage nicht zu heiß zu werden. Sonnenschutz, Fenstergröße, Speichermasse und Lüftung spielen zusammen.
Welche Temperatur ist im Sommer erlaubt?
Nach der Norm höchstens 27 Grad in Wohnräumen tagsüber und 25 Grad in Schlafräumen zwischen 22 und 6 Uhr, jeweils als operative Temperatur.
Ist der Nachweis für den sommerlichen Wärmeschutz Pflicht?
Für Wohngebäude verlangt ihn die OIB-Richtlinie 6, die über die Bauordnungen der Länder gilt. Welche Fassung bei Ihnen gilt, sagt die Baubehörde.
Wie führt man den Nachweis?
Meist durch den Planer, nach der ÖNORM B 8110-3. Außenliegender Sonnenschutz mit einem Wert von höchstens 0,15 kann die Rechnung ersetzen.
Reicht Sonnenschutz allein?
Er hilft am meisten, ersetzt aber nicht Nachtlüftung und Speichermasse. Erst das Zusammenspiel hält das Haus kühl und erfüllt den sommerlichen Wärmeschutz.
Muss ich beim Fenstertausch einen Nachweis erbringen?
Das hängt vom Bundesland und vom Umfang der Arbeiten ab. Fragen Sie vorab Ihren Planer oder die Baubehörde.

Quellen

  1. Ziegel.at: Vermeidung sommerlicher Überwärmung (ÖNORM B 8110-3), ziegel.at
  2. Archiphysik: OIB-RL 6:2023 – die relevantesten Änderungen, archiphysik.at
  3. Österreichisches Institut für Bautechnik: OIB-Richtlinie 6 – Erläuternde Bemerkungen (Ausgabe 2023), austrian-standards.at
  4. Stadt Wien, MA 37: Vorlage Erklärung sommerlicher Wärmeschutz, wien.gv.at

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