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Wie funktioniert Wärmeschutzglas? Einfach erklärt

Große Glasfassade eines Stiegenhauses im Detail
Auf einen Blick

Wärmeschutzglas besteht aus zwei oder drei Scheiben mit einem Gas dazwischen. Eine hauchdünne, unsichtbare Metallschicht auf einer Scheibe spiegelt die Wärmestrahlung in den Raum zurück. Das Gas zwischen den Scheiben bremst die Wärme zusätzlich. Das Licht kommt trotzdem durch. So bleibt es im Winter drinnen warm, ohne dass das Fenster dunkler wirkt.

In diesem Beitrag
  1. Warum dämmt normales Glas so schlecht?
  2. Wie ist Wärmeschutzglas aufgebaut?
  3. Wie funktioniert die unsichtbare Beschichtung?
  4. Gibt es verschiedene Arten von Beschichtungen?
  5. Was bringt das Gas zwischen den Scheiben?
  6. Warum ist der Rand der Scheibe so wichtig?
  7. Lässt Wärmeschutzglas genug Licht und Sonne durch?
  8. Was ist der Unterschied zu Sonnenschutzglas?
  9. Wie lange hält die Wirkung?
  10. Warum spürt man den Unterschied im Zimmer?
  11. Wie entsteht Wärmeschutzglas in der Fabrik?
  12. Kann ein Glas noch mehr als Wärme halten?
  13. Was glauben viele falsch?

Früher war ein Fenster die kälteste Stelle im Raum. Heute wird die Scheibe innen kaum noch kalt. Das liegt am Wärmeschutzglas. Es sieht aus wie normales Glas, kann aber viel mehr.

Hier erfahren Sie, wie Wärmeschutzglas aufgebaut ist und warum es die Wärme im Raum hält. Wir erklären es ohne Fachsprache. Wie man Gläser mit Messwerten vergleicht, steht im Ratgeber Was bedeutet der Uw-Wert beim Fenster?.

1Warum dämmt normales Glas so schlecht?

Glas ist hart, klar und dicht. Zum Dämmen ist es aber kaum geeignet. Es gibt die Wärme der Raumluft schnell an die Außenluft ab, auf drei Wegen:

  • Leitung: Wärme wandert durch das Material, wie bei einem heißen Löffel im Tee.
  • Strömung: Warme Luft steigt auf, kalte sinkt ab. So entsteht Bewegung zwischen den Scheiben.
  • Strahlung: Jeder warme Körper gibt Wärme als unsichtbare Strahlen ab. Das spürt man am Ofen, auch wenn man ihn nicht berührt.

Gutes Wärmeschutzglas bremst alle drei Wege.

2Wie ist Wärmeschutzglas aufgebaut?

Wärmeschutzglas ist ein Isolierglas. Das bedeutet: Es besteht aus mehreren Scheiben, die in einem festen Abstand zueinander stehen. Dazwischen liegt ein dichter Hohlraum, der Scheibenzwischenraum. Am Rand hält ein schmaler Abstandhalter die Scheiben auf Abstand und dichtet den Hohlraum ab.

TeilAufgabe
Zwei oder drei ScheibenBilden den Aufbau, dazwischen liegt Luft oder Gas
BeschichtungSpiegelt Wärmestrahlung in den Raum zurück
ScheibenzwischenraumMit Edelgas gefüllt, bremst Wärmeleitung und Strömung
Abstandhalter am RandHält den Abstand und dichtet den Hohlraum ab

3Wie funktioniert die unsichtbare Beschichtung?

Auf einer Scheibe liegt eine hauchdünne Beschichtung aus Metall. Sie ist etwa 100 Nanometer dick. Zum Vergleich: Ein menschliches Haar ist rund 700-mal dicker. Mit bloßem Auge sieht man die Schicht kaum.

Fachleute nennen das Low-E-Beschichtung. „Low-E“ steht für „niedrige Abstrahlung“. Normales Glas strahlt Wärme sehr stark ab. Die Metallschicht senkt das stark. Bei Silber ist die Abstrahlung rund 40-mal kleiner als bei Glas. Heute erreichen die Schichten Werte von 0,01 bis 0,03, normales Glas liegt bei 0,84.

Die Schicht wirkt wie ein Spiegel für Wärme. Das sichtbare Licht lässt sie durch. Die Wärmestrahlung aus dem Raum wird aber zurückgeworfen. Sie bleibt im Zimmer.

4Gibt es verschiedene Arten von Beschichtungen?

Ja, zwei:

  • Hardcoat: Die Schicht wird schon bei der Glasherstellung aufgebracht. Sie ist robust, wirkt aber weniger stark (Abstrahlung etwa 0,2).
  • Softcoat: Mehrere dünne Schichten werden später im Vakuum aufgetragen. Sie wirken viel besser (Abstrahlung etwa 0,03). Sie sind empfindlicher und liegen deshalb geschützt zwischen den Scheiben.

Die Schicht sitzt immer auf der Seite zum Scheibenzwischenraum. So kann sie beim Putzen nicht verkratzt werden. Auf welcher der Scheiben sie liegt, ist für die Wirkung nicht entscheidend.

5Was bringt das Gas zwischen den Scheiben?

Der Scheibenzwischenraum ist selten mit normaler Luft gefüllt. Meist steckt dort ein Edelgas wie Argon oder Krypton. Diese Gase leiten Wärme schlechter als Luft. Sie sind auch träger, es entsteht weniger Strömung im Hohlraum.

Argon ist die übliche Füllung. Krypton dämmt noch etwas besser, ist aber teurer. Das Gas ist unschädlich und völlig geruchlos. Es bleibt im Glas eingeschlossen, solange der Rand dicht ist.

6Warum ist der Rand der Scheibe so wichtig?

Am Rand des Glases sitzt der Abstandhalter. Früher bestand er oft aus Aluminium. Metall leitet Wärme sehr gut, deshalb war der Rand eine Kältebrücke. An kalten Tagen beschlug die Scheibe zuerst am Rand.

Moderne Abstandhalter aus Kunststoff oder Edelstahl leiten weniger Wärme. Man spricht von der „warmen Kante“. Sie hilft, dass der Rand innen nicht so stark auskühlt. Warum Scheiben trotzdem beschlagen können, erklärt der Ratgeber Warum beschlägt das Fenster von innen?.

7Lässt Wärmeschutzglas genug Licht und Sonne durch?

Das Licht kommt gut durch. Man sieht deshalb keinen großen Unterschied zu normalem Glas. Das Glas wirkt aber manchmal einen Hauch grünlich oder grau, besonders im Randbereich einer dicken Scheibe.

Auch ein Teil der Sonnenwärme kommt durch. Das ist im Winter gut, weil die Sonne den Raum mitheizt. Im Sommer kann es bei großen Glasflächen aber zu warm werden. Fachleute raten dann zu zusätzlichem Sonnenschutz, etwa einem Raffstore, oder zu einem Glas, das mehr Sonne abhält. Praktische Tipps gegen Hitze finden Sie im Ratgeber Wie halte ich meine Wohnung im Sommer kühl?.

8Was ist der Unterschied zu Sonnenschutzglas?

Wärmeschutzglas will vor allem die Wärme im Raum halten. Sonnenschutzglas will vor allem die Sonnenwärme draußen halten. Es hat eine etwas andere Beschichtung und lässt weniger Sonnenenergie durch. Dafür kann es im Winter weniger kostenlose Sonnenwärme hereinlassen.

Welches Glas besser passt, hängt von der Lage ab. Fenster nach Süden profitieren im Sommer von Sonnenschutz. Fenster nach Norden brauchen vor allem Wärmeschutz.

9Wie lange hält die Wirkung?

Die Beschichtung selbst verändert sich nicht, denn sie liegt geschützt im Hohlraum. Entscheidend ist der Rand. Wenn er undicht wird, kann Feuchtigkeit eindringen, und das Gas verliert nach und nach seine Wirkung. Man erkennt das an einem Beschlag zwischen den Scheiben. Diesen Beschlag kann man nicht abwischen, weder innen noch außen. Er zeigt: Zwischen den Scheiben ist Feuchtigkeit. Manche Hersteller geben eine Garantie auf die Dichtheit des Glases. Fragen Sie im Angebot, wie lange sie gilt und was sie umfasst.

Dann hilft meist nur ein Tausch der Scheibe oder des Fensters. Ob sich das lohnt, klärt der Ratgeber Wann lohnt sich ein Fenstertausch?.

10Warum spürt man den Unterschied im Zimmer?

Wir fühlen Wärme nicht nur an der Lufttemperatur. Wir spüren auch, ob eine Fläche in der Nähe warm oder kalt ist. Eine kalte Scheibe zieht Wärme von unserem Körper ab. Man sitzt dann ungern am Fenster. Dazu kommt kalte Luft, die an der Scheibe abkühlt, nach unten sinkt und am Boden als Zug zu spüren ist.

Mit gutem Wärmeschutzglas bleibt die Innenseite der Scheibe deutlich wärmer. Es gibt weniger Zug, und man kann bis ans Fenster rücken. Auch deshalb sind bodentiefe Fenster heute möglich, ohne dass es unangenehm wird.

11Wie entsteht Wärmeschutzglas in der Fabrik?

Vereinfacht läuft es so ab: Die Glasscheiben werden auf Maß geschnitten und gewaschen. Eine Scheibe bekommt die Metallbeschichtung. Dann wird der Abstandhalter am Rand aufgesetzt. Die Scheiben werden zusammengepresst, der Hohlraum wird mit Edelgas gefüllt und der Rand dicht verschlossen. Fertig ist die Isolierglas-Einheit, die der Fensterbauer in den Flügel setzt.

Das alles passiert in Werken, nicht auf der Baustelle. Auf der Baustelle muss die Scheibe nur richtig eingesetzt und gehalten werden. Wie das Glas im Rahmen sitzt, erklärt der Beitrag Wie ist ein Fenster aufgebaut?.

12Kann ein Glas noch mehr als Wärme halten?

Ja. Gläser lassen sich kombinieren. Es gibt Wärmeschutzgläser mit zusätzlichem Sonnenschutz. Dann lassen sie weniger Sonnenenergie durch. Außerdem gibt es Gläser mit besonders guter Schalldämmung und einbruchhemmende Gläser mit Folie dazwischen. Wer Lärm abhalten will, findet mehr dazu im Ratgeber Was hilft gegen Straßenlärm im Schlafzimmer?.

Je mehr Funktionen ein Glas haben soll, desto genauer muss man planen. Das Ergebnis hängt immer vom Zusammenspiel von Glas, Rahmen und Einbau ab.

13Was glauben viele falsch?

  • „Mehr Scheiben sind immer besser.“ Auch eine gute Beschichtung und das richtige Gas zählen.
  • „Das Gas muss man nachfüllen.“ Nein. Das Glas ist geschlossen. Ist es dicht, bleibt das Gas drin.
  • „Die Schicht wird beim Putzen zerstört.“ Nein. Sie liegt zwischen den Scheiben und kommt mit Putzmitteln nicht in Berührung.
  • „Wärmeschutzglas hält auch die Sonne ab.“ Nicht automatisch. Dafür braucht man Sonnenschutz.

?Fragen und Antworten

Was ist Wärmeschutzglas?
Ein Isolierglas aus zwei oder drei Scheiben mit einer unsichtbaren Metallschicht und Edelgas dazwischen. Es hält die Wärme im Raum.
Was bedeutet Low-E-Glas?
„Low-E“ heißt niedrige Abstrahlung. Die Beschichtung spiegelt Wärmestrahlung in den Raum zurück.
Welches Gas ist zwischen den Scheiben?
Meist Argon, manchmal Krypton. Beide sind Edelgase und leiten Wärme schlechter als Luft.
Sieht man die Beschichtung?
Kaum. Sie ist rund 100 Nanometer dünn. Manchmal wirkt das Glas einen Hauch grünlich oder grau.
Warum beschlägt eine Scheibe zwischen dem Glas?
Dann ist der Rand undicht, und Feuchtigkeit ist eingedrungen. Dann hilft meist nur neues Glas.
Reicht Wärmeschutzglas gegen Sommerhitze?
Nein. Es hält vor allem Wärme im Raum. Gegen Hitze helfen Sonnenschutz und passende Gläser.

Quellen

  1. Baunetzwissen: Wärmeschutzverglasung (Aufbau, Emissionsgrad, Sonnenschutz bei großen Flächen), baunetzwissen.de
  2. Baunetzwissen: Low-E-Glas (Hardcoat, Softcoat, Schichtdicke), baunetzwissen.de
  3. bau.de: Wärmedämmglas – Effizienz und Komfort (Edelgas, warme Kante), bau.de

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