Fensterkunde6 Min. Lesezeit

Wie funktioniert ein Dreh-Kipp-Beschlag? Einfach erklärt

Dreh-Kipp-Fenster auf einer Baustelle mit Blick auf die Wiener Skyline
Auf einen Blick

Beim Dreh-Kipp-Beschlag steuert der Griff über ein Getriebe lange Stangen im Rahmen. Je nach Griffstellung verriegeln sie den Flügel, lassen ihn oben kippen oder seitlich aufdrehen. Eine Schere hält den gekippten Flügel. Eine Sperre verhindert, dass der Griff falsch bedient wird und der Flügel herunterfällt. Fast alle Teile liegen unsichtbar im Rahmen.

In diesem Beitrag
  1. Was ist ein Dreh-Kipp-Beschlag?
  2. Welche drei Griffstellungen gibt es?
  3. Aus welchen Teilen besteht der Beschlag?
  4. Wie funktioniert das Verschließen?
  5. Wie funktioniert das Kippen?
  6. Wie funktioniert das Drehen?
  7. Was ist die Fehlbedienungssperre?
  8. Was belastet den Beschlag?
  9. Warum greifen die Riegel an mehreren Stellen?
  10. Wie bedient man den Beschlag richtig?
  11. Was bedeutet „DIN links“ und „DIN rechts“?
  12. Ist der Beschlag bei Balkontüren anders?
  13. Gibt es Griffe mit Schloss?
  14. Wann sollte ich eine Fachfirma rufen?

Sie drehen den Griff nach oben, und das Fenster kippt. Sie drehen ihn waagrecht, und es geht auf. Das ist so selbstverständlich, dass man kaum darüber nachdenkt. Dahinter steckt aber eine kleine Maschine im Rahmen: der Dreh-Kipp-Beschlag.

Hier erfahren Sie, wie er arbeitet und aus welchen Teilen er besteht. Wenn Ihr Fenster hakt oder klemmt, hilft der Ratgeber Warum schließt mein Fenster nicht richtig?.

1Was ist ein Dreh-Kipp-Beschlag?

Ein Dreh-Kipp-Beschlag verbindet den Flügel mit dem Rahmen. Er macht zwei Bewegungen möglich: Der Flügel kann seitlich aufgehen (Drehen) oder oben nach innen kippen (Kippen). Alles lässt sich mit einer Hand und einem Griff steuern. Zum Lüften genügt die Kippstellung. Zum Putzen, Hinaussteigen oder für frische Luft in kurzer Zeit dreht man den Flügel ganz auf.

Solche Beschläge passen für Flügel aus Holz, Kunststoff, Aluminium und Stahl. Man findet sie vor allem in Wohnungen, Büros und an Balkon- und Terrassentüren. Wie ein Fenster insgesamt gebaut ist, steht im Beitrag Wie ist ein Fenster aufgebaut?.

2Welche drei Griffstellungen gibt es?

GriffStellungWas passiert
Nach untenZu (Verschluss)Der Flügel ist verriegelt und wird fest an die Dichtung gepresst
WaagrechtDrehenDer Flügel lässt sich seitlich aufschwenken
Nach obenKippenDer Flügel kippt oben nach innen, die Schere hält ihn

Die Richtung hängt vom Fabrikat ab, manche Fenster sind spiegelverkehrt. Das Prinzip bleibt gleich: Der Griff wählt aus, welche Teile im Rahmen verriegelt oder gelöst sind.

3Aus welchen Teilen besteht der Beschlag?

Ein üblicher Beschlag besteht aus mehreren Teilen, die genau zusammenpassen:

  • Getriebe: sitzt hinter dem Griff und übersetzt die Griffbewegung in eine Schiebebewegung.
  • Schubstangen: lange Stangen, die im Rahmen entlanglaufen und die Bewegung weitergeben.
  • Eckumlenkung: ein kleines Teil in der Ecke. Es lenkt die Bewegung um die Ecke, damit sie auch auf die nächste Seite des Rahmens kommt.
  • Riegel und Schließplatten: Bolzen am Flügel greifen in Platten am Rahmen. So hält das Fenster fest zu.
  • Schere: ein Arm mit Gelenken, der den gekippten Flügel oben hält und den Kippwinkel begrenzt.
  • Drehkipplager: das Gelenk unten, an dem sich der Flügel beim Kippen und Drehen bewegt.
  • Kipphalter: ein Teil, das im Rahmen in die Kippstellung eingreift.
  • Bänder: die Scharniere für das Drehen. Sie sind meist sichtbar.

Heute liegen die meisten Teile im Profil, in einem Kanal im Rahmen. Man sieht nur den Griff und die Bänder. Das sieht schöner aus und schützt die Teile vor Schäden. Alles gehört zu einem System: Fenster und Beschlag bilden immer eine Einheit. Teile verschiedener Hersteller passen oft nicht zusammen.

4Wie funktioniert das Verschließen?

Wenn Sie den Griff nach unten drehen, bewegt das Getriebe die Schubstangen. Die Stangen schieben die Riegelbolzen in die Schließplatten am Rahmen. Gleichzeitig wird die Schere verriegelt. Der Flügel sitzt nun an mehreren Punkten fest im Rahmen.

Dabei wird der Flügel gegen die Dichtung gepresst. Das ist wichtig, denn nur so schließt das Fenster dicht und hält Wärme und Lärm draußen. Mehrere Verriegelungspunkte machen das Fenster auch schwerer aufzubrechen. Mehr zum Einbruchschutz steht im Ratgeber Wie schütze ich Fenster und Terrassentüren vor Einbruch?.

5Wie funktioniert das Kippen?

In der Kippstellung löst der Griff die Verriegelung der Schere und des Rahmens. Der Riegelschieber greift in den Kipphalter. So bleibt der Flügel unten im Lager fixiert und kann oben nach innen schwenken.

Die Schere bestimmt, wie weit der Flügel kippt. Sie hält ihn auch fest, damit er nicht herausfällt. Ein gekipptes Fenster ist allerdings nicht verriegelt und deshalb leichter aufzudrücken.

6Wie funktioniert das Drehen?

Für das Drehen stellen Sie den Griff in die Mitte. Jetzt sind die Riegel gelöst, die Schere bleibt aber verriegelt. Der Flügel schwenkt an den Bändern seitlich auf, wie eine Tür.

Das Gewicht des Flügels tragen dabei die Bänder. Sie müssen stabil sein und gut befestigt. Große, schwere Flügel brauchen kräftigere Beschläge als kleine. Das legt der Hersteller fest.

7Was ist die Fehlbedienungssperre?

Stellen Sie sich vor, Sie würden ein gekipptes Fenster direkt in die Drehstellung bringen. Dann würde der Flügel nur noch unten hängen und könnte herunterfallen. Genau das verhindert die Fehlbedienungssperre.

Moderne Beschläge haben sie eingebaut. Die Sperre sorgt dafür, dass der Griff nicht direkt von „Kippen“ nach „Drehen“ wechselt. Man muss zuerst den Flügel schließen. Das schützt Menschen und das Fenster. Wenn sich der Griff nur in bestimmte Richtungen bewegen lässt, ist das also Absicht und kein Fehler.

8Was belastet den Beschlag?

Der Beschlag hält viel aus, aber nicht alles. Belastungen sind zum Beispiel:

  • Hindernisse im Weg, wenn das Fenster kippt oder aufgeht.
  • Windstöße, die am offenen Flügel reißen.
  • Zusatzgewicht, etwa Wäsche, die man an den Flügel hängt.
  • Schmutz und Steinchen im Falz, die die Dichtung oder den Beschlag beschädigen können.

Hersteller empfehlen deshalb regelmäßige Wartung. Was Sie selbst tun können, beschreibt der Ratgeber Wie reinige und pflege ich Fenster?.

9Warum greifen die Riegel an mehreren Stellen?

Der Dreh-Kipp-Beschlag hält den Flügel nicht nur an einem Punkt. Bei einem kleinen Fenster sitzen oft ein paar Riegel, bei großen Flügeln deutlich mehr. Das hat zwei Gründe. Erstens wird der Flügel gleichmäßig an die Dichtung gedrückt, sodass sie überall anliegt. Zweitens wird es für Einbrecher schwerer, den Flügel aufzuhebeln. Je größer das Fenster, desto mehr Punkte sind nötig, damit nichts durchhängt.

10Wie bedient man den Beschlag richtig?

  • Schließen Sie das Fenster, bevor Sie von „Kippen“ auf „Drehen“ wechseln.
  • Drehen Sie den Griff ohne Gewalt. Wenn er hakt, stimmt etwas nicht.
  • Lassen Sie offene Flügel bei Wind nicht schlagen. Das belastet die Bänder.
  • Belasten Sie den offenen Flügel nicht, etwa mit nasser Wäsche oder einer Tasche am Griff.
  • Lassen Sie Kinder nicht am offenen oder gekippten Fenster allein.

11Was bedeutet „DIN links“ und „DIN rechts“?

In Angeboten steht oft, ob ein Flügel „DIN links“ oder „DIN rechts“ ist. Gemeint ist die Seite der Bänder. Wenn Sie vor dem geschlossenen Fenster stehen und die Bänder links sehen, ist es „DIN links“. Der Griff sitzt dann rechts. Diese Angabe ist wichtig, damit das Fenster passend gefertigt wird. Auch beim Ersatz eines Flügels oder Beschlags muss die Seite stimmen.

12Ist der Beschlag bei Balkontüren anders?

Bei Balkon- und Terrassentüren arbeitet im Grunde derselbe Dreh-Kipp-Beschlag. Er ist nur kräftiger gebaut, weil der Flügel höher und schwerer ist. Auch die Bänder und die Befestigung müssen mehr tragen. Man kann die Tür drehen und kippen, aber meist wird sie nur gedreht, um hinauszugehen.

Wichtig ist hier der Boden: Die Schwelle und der Anschluss unten müssen dicht und trittfest sein. Das gehört zum Einbau und nicht zum Beschlag selbst. Wer große Türen plant, spricht dazu am besten vor dem Kauf mit dem Fachbetrieb.

13Gibt es Griffe mit Schloss?

Ja. Mit einem abschließbaren Griff lässt sich das Fenster nicht von außen öffnen, auch wenn jemand die Scheibe einschlägt. Das erhöht den Schutz gegen Einbruch. Viele solche Griffe kann man später nachrüsten. Ob das bei Ihrem Fenster geht, klärt der Fachbetrieb.

Auch die Höhe des Griffs spielt eine Rolle, besonders für Menschen im Rollstuhl. Dafür gibt es Empfehlungen zur Griffhöhe.

14Wann sollte ich eine Fachfirma rufen?

Wenn der Griff schwer geht, das Fenster nicht mehr sauber schließt oder der Flügel hängt, ist der Beschlag meist verstellt oder verschlissen. Das sollten Fachleute prüfen. Beim Austausch muss der neue Beschlag zum System des Fensters passen.

?Fragen und Antworten

Wie funktioniert ein Dreh-Kipp-Fenster?
Ein Griff steuert über ein Getriebe lange Stangen im Rahmen. Sie verriegeln den Flügel, lassen ihn oben kippen oder seitlich aufdrehen.
Was macht die Schere am Fenster?
Die Schere hält den gekippten Flügel oben und begrenzt, wie weit er kippt.
Warum lässt sich der Griff nicht direkt von Kippen auf Drehen stellen?
Das verhindert die Fehlbedienungssperre. Sonst hinge der Flügel nur noch unten und könnte herunterfallen.
Was ist die Eckumlenkung?
Ein kleines Teil in der Rahmenecke, das die Schubbewegung um die Ecke leitet, damit sie auch die nächste Seite erreicht.
Kann ich einen Dreh-Kipp-Beschlag selbst tauschen?
Das ist schwierig. Der Beschlag muss zum System des Fensters passen und genau eingestellt werden. Das macht besser eine Fachfirma.
Sind Dreh-Kipp-Fenster sicher?
In geschlossener Stellung ja, besonders mit mehreren Verriegelungspunkten und abschließbarem Griff. Gekippte Fenster sind nicht verriegelt.

Quellen

  1. Baunetzwissen: Drehkippbeschläge für Fenster und Fenstertüren (Stellungen, Bauteile, Fehlbedienungssperre), baunetzwissen.de
  2. Baunetzwissen: Beschlagsysteme für Fenster, baunetzwissen.de
  3. Baunetzwissen: Glossar „Fenster“, baunetzwissen.de

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